Gefühle kennen wir alle, haben wir alle und fühlen sie alle. Denn Gefühl kommt von fühlen.
Um alle Gefühle dieser Welt aufzulisten bräuchte ich womöglich mehr Speicherplatz oder Papier und Tinte als dieser Planet herzugeben vermag. Es gibt glückliche Gefühle, aber auch traurige, wütende, triste, reglose, planlose und viele mehr, denn die kleinen Dinger können sich vermischen und/oder paaren, das kann man sehen wie man will. Für mich sind Gefühle das Wichtigste überhaupt, nicht nur weil das Bauchgefühl mir sagt, was ich tun oder lassen soll, sondern weil ich anhand von ihnen meine Grenzen „abstecken“ kann. Angst kommt auf, wenn irgendetwas im Begriff ist zu geschehen oder ich mich einer unbekannten Situation gegenüberstehend befinde. Freude, wenn ich weiß, dass jene(r) Situation/Person/Umstand mir gut tut und ich mehr davon haben kann/sollte/muss. Trauer, wenn etwas Schlimmes geschieht, dass mir zusetzt und dem ich nicht gewachsen bin. Trauer und Angst und auch ein klein wenig Wut liegen nah beieinander. Wut und Liebe sind die wohl stärksten Gefühle die es gibt, finde ich. Sie drücken sehr viel aus und es manchmal scheint mir, als wären die Grenzen zwischen ihnen verwischt und sie würden sich paaren. Ich meine, wer kennt das nicht, wenn aus Liebe Wut wird beziehungsweise Hass. Obwohl dieser „Hass“ ziemlich verleumdend ist, denn man kann einen Menschen nicht hassen, den man einst geliebt hat. Das geht einfach nicht, zumindest in meiner Vorstellung nicht. Man kann die Person nicht mehr mögen, abstoßend finden oder sonst etwas, aber richtiger Hass entsteht nur in extremen Ausnahmesituationen, welche ich mir jetzt aber nicht die Mühe mache aufzuschreiben, da ich sie nicht genau benennen kann und will, da es von Person zu Person verschieden sein kann. Die Benennung der Gefühle hätte kaum perfekter sein können, als sie jetzt schon ist, denn diese Namen – Liebe, Wut, Hass, Trauer, Angst, Neid, Glück etc. – sagen so viel aus, obwohl noch so viel mehr in ihnen steckt. Jeder verbindet etwas mit diesen Namen. Wenn wir Liebe oder Glück hören haben wir zum Beispiel ein wohliges Gefühl im Bauch. So ist das bei mir. Ich kann ja für niemanden die Welt erklären, denn es wird immer Menschen geben, die anders denken/fühlen als ich.
Aber warum sind Gefühle eigentlich wie sie sind? Das ist eine Frage, die fast so schwer zu beantworten ist, wie „Was ist der Sinn des Lebens?“ oder „Was ist Liebe?“. Das sind, mit „Warum stirbt man?“ für mich die 4 Grundfragen des Lebens, die ich mir immer wieder stelle, die ich immer wieder aufs Neue für mich beantworte, die mir jedes Mal anders erscheinen, einen anderen Interpretationsfreiraum zulassen und mich jedes Mal fast verzweifeln lassen, da ich nie wissen kann, ob ich sie richtig oder falsch verstehe. Aber gleichzeitig kann ich Fragen wie diese nur für mich selbst beantworten, denn wie gesagt, jeder denkt das, was für ihn am besten ist, und wie ich selbst Dinge interpretiere, wird für mich schon richtig sein. Das heißt auch, dass sich die Antworten immer wieder ändern, dass die Antworten lebendig sind, dass sie eigenständig sind und wandelbar sind wie Gummi, dass man erhitzt und wieder abkühlen lässt, in einer neuen Form. Immer und immer wieder.
Da dieser Text sich aber nur mit einer dieser Fragen befassen soll, fange ich damit lieber an, bevor ich mich in einem Vortrag verirre, in dem ich am Ende nicht einmal mehr weiß, wieso ich überhaupt angefangen habe zu schreiben!
Gefühle sind nützlich, in jeder Lebenssituation, denn sie helfen uns besser klar zu kommen mit unseren Mitmenschen und unseren Lebensumständen. Ohne Gefühle würde zwischen den Menschen (und Tieren) nur eine Art der Gleichgültigkeit herrschen, was heißt es gäbe keine Anziehung oder Leidenschaft. Somit würde es nicht zum Sex oder anderem kommen und wir würden uns nicht weiterpflanzen, sondern elend verrotten. Deswegen denke ich, gibt es Gefühle schon seit Anbeginn der Zeit, auch wenn Dinge wie Fortpflanzung damals nur zweckmäßig gesehen wurde. Das einzig Gute an diesem Zustand wäre wohl, dass es auch keinen Hass geben würde, oder Neid, was bedeuten würde, es gäbe keinen Krieg oder ähnliches. Aber so ein Zustand kann nicht existieren, das liegt nicht in unserer Art, denn wie Ehrgeiz oder Neid sind Gefühle „selbstverständlich“, sie kommen unkontrollierbar auf. Das merkt man beispielsweise daran, dass es manchmal Menschen gibt, die man auf Anhieb sympathisch oder unsympathisch findet, die man sofort als Freund oder Feind einschätzt. Und es soll ja noch besagte „Liebe auf den ersten Blick“ geben. Das wäre eine andere Frage, für die man sich Zeit nehmen sollte, aber nicht jetzt. Aber wie sollte denn das alles funktionieren, ohne Gefühle?
Gefühle sind einfach da, sie existieren, ohne das irgendjemand weiß wieso. Natürlich wissen wir, wo in unserem Körper sie ihren Ursprung haben, aber was sagt das schon aus, wieso sie dort „entstehen“ und so weiter? Nichts.
Vielleicht sollte man es einfach akzeptieren und versuchen mehr auf seine Gefühle, vor allem die des Bauches, zu hören, denn sie sind manchmal eine riesige Hilfe, wenn es um schwierige Entscheidungen geht!
Einigen mag dieser Text vielleicht unnötig erscheinen, aber es tat mir gut es mal auszuschreiben. Ich hoffe ihr hattet dennoch viel Spaß und vielleicht sogar ein klein wenig Erkenntnis beim Lesen dieses Textes.
Danke
Großartig. Ich musste stellenweise an das Gesellschaftskonzept von Huxleys Schöner neuer Welt denken.